01.01.2018

Diagnostik von Atemwegsinfektionen mittels Multiplex-PCR

Infektionen der Atemwege können insbesondere bei alten Menschen, Früh- und Neugeborenen, Immungeschwächten, oder Patienten mit Vorschädigungen der Lunge mit schweren Verläufen einhergehen, ebenso spielen respiratorische Erreger als Ursache nosokomialer Infektionen eine wichtige Rolle.

Diagnostik:

Neben der konventionellen Anzucht von Bakterien mit Resistogramm bietet die schnelle, zielgerichtete Diagnostik insbesondere der viralen und schwer anzüchtbaren Erreger von Atemwegsinfektionen mittels PCR einen wichtigen Baustein im Hinblick auf eine zielgerichtete Therapie mit dem rationellen Einsatz von Antibiotika. Diagnostik Wir können den Nachweis respiratorischer Erreger als Multiplex-PCR in unserem Hause anbieten. Hier können in einem Lauf folgende Panels untersucht werden:

  1. Panel 1 - Respiratorische. Viren 1: Influenza A-Virus, Influenza B-Virus, RSV, Parainfluenzaviren 1-4, Rhinovirus
  2. Panel 2 - Respiratorische Viren 2: Coronaviren (OC43, NL63, HKU-1, 229E, MERS), Parechovirus, Metapneumovirus, Adenovirus und Enterovirus (einschließlich Coxsackievirus, Poliovirus, Echovirus)
  3. Panel 3 - Respiratorische. Bakterien : Bordetella pertussis, Bordetella parapertussis, Chlamydophila pneumoniae, Mycoplasma pneumoniae und Legionella (pneumophila + spp.)

Zusätzlich können PCRs auf Pneumocystis jirovecii, Herpesviren (HSV 1 & 2, CMV, EBV), Streptococcus pneumoniae und Mycobacterium tuberculosis einzeln angefordert werden. Bei einem positiven Ergebnis kann von einer Atemwegsinfektion durch den betreffenden Erreger ausgegangen werden, ein negatives schließt eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die PCR nur das Vorhandensein der genetischen Information des Erregers nachweist, eine Aussage zu dessen Vermehrungsfähigkeit oder der Resistenzlage ist nicht möglich. Insbesondere unter einer laufenden Antibiose kann die DNA bereits abgestorbener Bakterien noch nachgewiesen werden.

Untersuchungsmaterial:

Zur Untersuchung sind respiratorische Materialien wie Rachenspülwasser, trockene Abstriche (ohne Gel, da durch das Transportmedium die Sensitivität besonders für RNA-Viren erheblich gemindert wird) bzw. Abstriche in Virustransportmedium / als „eSwab“, Sputum oder eine bronchoalveoläre Lavage geeignet. Bei gezieltem Verdacht auf bakterielle Erreger sind flüssige respiratorische Materialien zu bevorzugen, ein Nachweis von Pneumocystis jirovecii ist nur für bronchoalveoläre Lavage validiert. Die genannten Erreger können bei Bedarf auch aus anderen Materialien nachgewiesen werden. So sind für Parechoviren (insb. bei Neugeborenensepsis), Adenoviren und Enteroviren ggf. auch Stuhl und Liquor, bei V.a. AdenovirusKonjunktivitis Augenabstriche geeignet. Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis und begonnener Antibiotikatherapie ist eine PCR-Untersuchung von Liquor auf Streptococcus pneumoniae sinnvoll.

Abrechnung:

Alle in den Panels enthaltenen Untersuchungen können zusammen oder bei Bedarf auch einzeln angefordert werden. Alle Untersuchungen werden im Fachlaborbereich (Molekularbiologie) bearbeitet, nur die PCR auf Mycobacterium tuberculosis ist über die Mikrobiologie anzufordern, da eine Probenvorbereitung im S3-Labor erfolgt. Leider wird die respiratorische Multiplex-PCR für die meisten der enthaltenen Erreger von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattet. Nach EBM sind folgende einzelne PCRs abrechenbar: Influenza A/B, Bordetella pertussis/parapertussis, Chlamydophila pneumoniae und Mycoplasma pneumoniae. Für den Direktnachweis von RSV und Legionellen der Serogruppe 1 (hier aus Urin!) steht weiterhin der Antigenschnelltest zur Verfügung