UDP-Glukuronyltransferase-Mutation (UGT1A1*28)

Präanalytik

Einwilligungserklärung des Patienten einholen

Anforderungsschein und Einwilligungserklärung Molekulargenetik

Material

2 ml EDTA-Blut (alternativ Citrat-Blut)

Methodik

Realtime-PCR und Schmelzkurvenanalyse

Akkreditierte Untersuchung

Ja

Informationen

Der Morbus Meulengracht, auch Gilbert-Syndrom, Morbus Gilbert (oder Morbus Gilbert-Meulengracht) genannt, ist eine gutartige, genetisch bedingte Besonderheit, die im eigentlichen Sinne nicht als "Erkrankung" zu bezeichnen ist. Es handelt sich hierbei um eine Störung in der Verarbeitung des Bilirubins. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und entsteht beim Zerfall von roten Blutzellen. Bei der Entstehung von Bilirubin ist es noch wasserunlöslich. Daher kann dieses Bilirubin, man spricht hierbei vom indirekten Bilirubin, im Blut nur an Eiweiß gebunden transportiert werden. Die Ausscheidung ist nur als wasserlösliches, so genanntes direktes Bilirubin möglich. Die Erkrankung beruht auf einer angeborenen, autosomal rezessiv vererbten Einschränkung der Synthese der Bilirubin-UDP-Glukuronyltransferase  auf rund 30 % der Normwerte (Hauptursache: UGT1A1*28 (TA) 6/7 -Polymorphismus rs3064744). Das Enzym katalysiert normalerweise im glatten endoplasmatischen Retikulum der Leber die Bildung des wasserlöslichen Bilirubin-Diglukuronids, das anschließend über die Gallengänge in den Darm ausgeschieden wird. Die Zahl der für die Mutation homozygoten Patienten beträgt etwa 10-19 % der Gesamtbevölkerung, die Zahl klinisch manifester Fälle wird dagegen auf 2-12 % geschätzt. Die variable phänotypische Penetranz wird durch Umweltfaktoren wie Fettgehalt der Nahrung sowie Nikotin- und Alkoholgenuss erklärt. Ein heterozygoter Trägerstatus des UGT1A1*28 (TA) 6/7 -Polymorphismus oder ein negatives Ergebnis schließt einen M. Meulengracht nicht völlig aus, da mittlerweile auch Patienten mit Bilirubinwerten über ca. 2.3 mg/dl beschrieben sind, die die TA-Insertion in Kombination mit einem Aminosäureaustausch aufwiesen oder nur heterozygot für eine Mutation in der kodierenden Region des UGT-Gens waren.

Auch die Toxizität des Chemotherapeutikum Irinotecan ist bei Vorliegen der UGT1A1*28 (TA) 6/7 - Variante erhöht. Bei der Fragestellung Irinotecan-Unverträglichkeit ist neben UGT1A1*28 allerdings auch der Polymorphismus UGT1A1*6 relevant, den die hier beschriebene Untersuchung nicht nachweist (bei dieser Fragestellung daher bitte Rücksprache halten, um ggf. eine umfangreichere UGT-Genotypisierung als Fremduntersuchung anzufordern). 

Informationsstand

06.03.2023

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