30.06.2021

AWMF-Leitlinie „Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – Update 2021 und der rationale Einsatz von Makrolidantibiotika

 

Die Empfehlungen zur initialen kalkulierten antimikrobiellen Therapie einer mittelschweren/schweren ambulant erworbenen Pneumonie beinhalten in der Primärtherapie eine Kombination eines Betalaktamantibiotikums mit einem Makrolid (+/-, für 3 Tage). Bei älteren Patienten und solchen mit Interaktionsrelevanter Komedikation wird Azithromycin als Mittel der Wahl empfohlen.

Die bisherige Datenlage bietet jedoch keine ausreichende Evidenz für den Einsatz einer generellen Kombinationstherapie mit einem Makrolid.
Der kombinierte Einsatz eines Makrolids sollte daher nicht als Automatismus verstanden werden, sondern nur nach kritischer Individualentscheidung Anwendung finden.
Die Wirksamkeit aller Makrolide gegenüber atypischen bakteriellen Erregern und bezüglich der Immunmodulation konkurrieren mit den erheblichen Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen (z.B. QT-Verlängerung, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-020l_S3_Behandlung-von-erwachsenen-Patienten-mit-ambulant-erworbener-Pneumonie__2021-05.pdf).

Ausserdem nimmt die Resistenz gegenüber Makrolidantibiotika weltweit zu. Bedingt durch die sehr lange Halbwertszeit (t1/2=68h) von Azithromycin entstehen subinhibitorische Konzentrationen des Antibiotikums im intra- und extrazellulären Raum über einen längeren Zeitraum, die eine Antibiotikaresistenz triggern können (Yuh Shiong Kong F et al. 2019). Eine gehäufte Resistenz gegenüber Azithromycin wurde z.B. im Rahmen von Massendistributionen des Antibiotikums beobachtet (Thuy Doan MD et al. 2020). Auch wird der Einsatz von Erythromycin bei gastrointestinalen Motilitätsstörungen kontrovers diskutiert. Eine ausreichende Evidenz aus prospektiven und kontrollierten Studien fehlt hier. Subtherapeutische Spiegel könnten hier ebenso Resistenzen triggern (Stevens JE et al. 2013, Sanger GJ et al. 2013).