Hyperlipoproteinämien

Material

5 ml Serum\r\n2 ml EDTA-Blut

Normbereich

s. jeweilige Einzelparameter

Akkreditierte Untersuchung

Nein

Informationen

Eine Hyperlipoproteinämie (HLP) tritt bei etwa 10 % der Bevölkerung auf. Ständige oder über längere Zeit anhaltende Hyperlipoproteinämien stellen ein erhebliches Arterioskleroserisiko dar.\r\nMan unterscheidet zwischen den seltenen primären (angeborenen) und den häufigeren sekundären Hyperlipoproteinämien.\r\nSekundäre Hyperlipoproteinämie, die ca. 70% der Erkrankungsfälle ausmachen, entstehen als Folge verschiedener Grunderkrankungen und/oder einer ungesunden Lebensweise. Dazu gehören - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - Diabetes mellitus, Nephrotisches Syndrom, Lebererkrankungen wie Cholestase und primär biliäre Zirrhose, Hypothyreosen und andere Endokrinopathien, Hyperurikämie u.a. sowie Alkoholismus und Überernährung.\r\nDie Klassifikation der Hyperlipoproteinämien (primärer und sekundärer) nach Fredrickson in die Typen I-V erfolgte rein phänotypisch auf Grund des elektrophoretischen Musters und der quantitativen Werte für Gesamtcholesterin, VLDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und der Triglyceride, ohne dass hierbei die molekularen Mechanismen einbezogen werden. Zusätzlich geht das Aussehen des Nüchternserums sowie die Anwesenheit von Chylomikronen in die Klassifikation ein.\r\nHyperlipoproteinämie Typ I: Hyperchylomikronämie\r\nHyperlipoproteinämie Typ II: Hypercholesterinämie\r\nTyp IIa: isolierte Erhöhung von LDL\r\nTyp IIb: gemischte Hyperlipidämie\r\nHyperlipoproteinämie Typ III: Broad-beta-Disease\r\nHyperlipoproteinämie Typ IV: Hypertriglyceridämie\r\nHyperlipoproteinämie Typ V: Kombinierte Hyperlipidämie, endogen-exogene Hypertriglyceridämie\r\nGrundsätzlich sollte jede Hyperlipoproteinämie behandelt werden. Neben diätetische Maßnahmen orientiert sich die Therapie am Typ der Hyperlipoproteinämie. Bei sekundären Hyperlipoproteinämien wird das Grundleiden behandelt.\r\nHLP Typ I (Hyperchylomikronämie, exogene Hyperlipidämie)\r\nBei Typ I finden sich normale Gesamtcholesterinwerte mit vermindertem LDL- und HDL-Cholesterin sowie erhöhte Triglyceride. Das Nüchternserum ist unten klar und an der Oberfläche lipämisch. Bei der Lipoproteinelektrophorese sind die Chylomikronen an der Auftragsstelle deutlich zu erkennen, beta-, prä-beta und alpha-Bande stellen sich eindeutig dar.\r\nHLP Typ I ist ein sehr seltener (Häufigkeit etwa 1:100000), autosomal rezessiv vererbter Defekt - d. h. selektiver Mangel der posthepatischen Lipoproteinlipase mit stark verzögertem Abbau der Chylomikronen; es finden sich Xanthome in Folge einer pathologischen Ablagerung von Lipiden in der Haut, aber auch in anderen Organen wie Leber und Milz. Das Arterioskleroserisiko ist nicht erhöht.Ein sekundäres Auftreten ist sehr selten bei Diabetes mellitus oder Hypothyreose beschrieben\r\nHLP Typ II (Hypercholesterinämie)Hyperlipoproteinämien vom Typ II werden weiter in Typ IIa und Typ IIb klassifiziert, wenn zusätzlich Triglyceride und VLDL-Cholesterin erhöht sind.\r\nHLP Typ IIa (isolierte Erhöhung von LDL)\r\nBei Typ IIa findet sich erhöhte Gesamtcholesterinwerte und eine Erhöhung von LDL >190 mg/l, Kinder >155 mg/l). HDL-Cholesterin ist oft erniedrigt bis normal. Das Nüchternserum ist klar. Es finden sich knotenförmige Xanthome im Bereich der Sehnen.\r\nHLP Typ IIb (gemischte Hyperlipidämie)\r\nTyp IIb, auch als gemischte Hyperlipidämie bezeichnet, kennzeichnet neben wie bei IIa erhöhten LDL- und Gesamtcholesterin zusätzlich erhöhte Triglycerid- und erhöhte VLDL-Cholesterin-Werte. HDL-Cholesterin ist meist vermindert. In der Lipoproteinelektrophorese sind die beta- und prä-beta-Banden betont, die alpha-Bande zu sehen. Das Nüchternserum ist leicht trüb. Es finden sich ebenfalls knotenförmige, tendinöse Xanthome.\r\nDie familiäre Hypercholesterinämie (FH) beruht meist auf einem häufigen, autosomal dominant vererbten Defekt des LDL-Rezeptors infolge einer Mutation des Rezeptorgens auf Chromosom 19; LDL wird nicht bzw. oder nur in geringem Maß in die Leber aufgenommen. Es kommt zu einer verstärkten VLDL-Apo-B-Synthese in Kombination mit einer gesteigerten Triglycrid-Produktion in der Leber. Andere genetische Ursachen (Defekte des Apolipoprotein B-100, s. auch Molekulargenetik, Protease PCSK9) sind beschrieben. Eine molekulargenetische Abklärung ist möglich. HPL Typ II ist eine der häufigsten (Häufigkeit 1:100-1:500) angeborenen Stoffwechselerkrankungen.Patienten mit HLP Typ II können schon im Kindesalter an Arteriosklerose und Durchblutungsstörungen erkranken. Das KHK-Risiko ist gesteigert.\r\nSekundäre Hypercholesterinämien treten insbesondere (20%) auf in Folge von Hypothyreose, Cholestase, Adipositas, Kortikosteroidtherapie, M. Cushing, Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz\r\nHLP Typ III (Broad-beta-Disease, familiäre Dysbetalipoproteinämie)\r\nAuch bei Typ III finden sich erhöhte Gesamtcholesterin- und Triglyceridwerte bei niedrigem LDL-Cholesterin und leicht verminderten HDL-Cholesterin. In der Lipoproteinelektrophorese sind Prä-β- und β-Fraktion zu einer breiten "Bande" verschmolzen. Das Nüchternserum ist trüb. Es finden sich plane, tubero-eruptive Xanthome.\r\nHLP Typ III ist ein sehr seltener (Häufigkeit etwa 1:5000), autosomal dominant vererbter Defekt; in Folge eines abnormen Apolipoprotein E (APO-E2-Homozygotie) steigen die Plasmakonzentrationen der Chylomikronen und der IDL (Intermediate Density Lipoprotein).\r\nUrsächlich werden APO-E-Rezeptoren dafür verantwortlich gemacht, die keine APO-E2-Partikel binden können, was zu einer Katabolismusstörung von VLDL und Chylomikronen führt. Eine molekulargenetische Abklärung des Apo E-Typs (2/2) ist möglich. Das Arterioskleroserisiko ist deutlich erhöht.\r\nEin sekundäres Auftreten von HLP Typ III kann selten bei Hypothyreose, Gicht oder Diabetes mellitus beobachtet werden.\r\nHLP Typ IV (Hypertriglyceridämie) Typ IV kennzeichnen ein normales bis leicht erhöhtes Gesamtcholesterin bei meist normalen LDL- und verminderten HDL-Cholesterin sowie deutlich erhöhten Triglyceridwerten. In der Lipoproteinektrophorese zeigt sich eine deutliche prä-beta-Bande und eine schwächere beta- und alpha-Bande. Das Nüchternserum ist trüb.\r\nHLP Typ IV (Häufigkeit 1:300) wird autosomal dominant vererbt. Die primäre Hypertriglyceridämie entsteht durch den angeborenen Mangel von Lipoproteinlipase, Apolipoprotein C-II und LDL-Rezeptor. Da das Enzym Lipoproteinlipase kaum oder gar nicht vorhanden ist, werden Triglyceride nur unzureichend abgebaut. Durch eine zusätzlich verminderte Verwertung der VLDL-Triglyceride resultiert eine VLDL-Erhöhung. Ein KHK-Risiko wird nicht beschrieben.\r\nNeben der genetischen Veranlagung kann Typ IV auch in Folge anderer Erkrankungen (bis zu 75% aller HLP) wie Diabetes mellitus, Pankreatitis, chronischer Niereninsuffizienz, Kortikosteroidtherapie, M. Cushing, Adipositas oder Glykogenspeicherkrankheiten beobachtet werden.\r\nHLP Typ V (Endogen-exogene-Hypertriglyceridämie)Beim selteneren Typ V finden sich allenfalls leicht erhöhte Gesamtcholesterinwerte sowie deutlich erhöhte Triglyceridwerte. Das Nüchternserum ist trüb und aufrahmend. Die Lipidelektrophorese zeigt deutliche prä-beta und Chylomikronenbanden sowie schwächere beta- und alpha-Banden, also eine Erhöhung von "endogenen" (VLDL) und "exogenen" (Chylomikronen) Triglyceriden.\r\nDie Pathogenese ist nicht geklärt - man vermutet eine Lipolyse-Hemmung; sie erscheint vereinfacht wie eine Kombination aus Typ I und IV. Als Folge findet sich unbehandelt eine Adipositas, wobei das Arterioskleroserisiko nicht erhöht ist. Die Häufigkeit beträgt

Informationsstand

01.01.2016

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